Die unsichtbare Stadt

Film "Drei Fragen zur unsichtbaren Stadt"
Arbeitsgruppe (Un)sichtbarkeiten in der Stadt: Alexander Koch (RTWH Aachen), Phillip Kühl (TU Berlin), Leif von Nethen (TU Dortmund), Hanna Santoro (HCU Hamburg), Tina Tuchscheerer (BU Weimar)

Ist Stadt unsichtbar? Ist nicht gerade die gebaute Stadt, in der wir uns alltäglich bewegen, so offensichtlich sichtbar? Ist nicht gerade Planung eine vornehmlich dem Visuellen verpflichtete Disziplin? Natürlich nehmen wir unsere Umwelt zu einem hohen Maß visuell wahr und dennoch sind Städte immer auch von Unsichtbarem geprägt. Diese unsichtbaren Elemente werden beispielsweise über andere Sinne als das Sehen wahrgenommen: Geräusche einer Stadt, ihre Gerüche und manchmal auch der Geschmack beeinflussen unsere Vorstellung von dem Ort, an dem wir uns befinden. Neben den nicht–visuellen Sinneseindrücken existieren weitere – materielle und immaterielle – unsichtbare Faktoren, die für die Funktionsfähigkeit, Steuerung und Identifikation der Städte zentral sind: nicht sichtbare Infrastrukturen, Zeitstrukturen, Normen, Governancestrukturen, Netzwerke, Grenzen, Stadtvisionen etc. Bestimmte Eigenschaften von Städten sind also nicht sichtbar, aber durchaus – zumindest indirekt – wahrnehmbar. Andere sind eingeschränkt sichtbar (z.B. zu bestimmten Zeiten, für bestimmte Bevölkerungsgruppen, durch Gestaltung).

(Un-)Sichtbarkeiten in der Stadt – Themenfelder

Die (un-)sichtbare Stadt – eine Annäherung. Themenschwerpunkte aus Seminaren und Sommerschule

Die Vielschichtigkeit der "unsichtbaren Stadt" zeigt sich in der Bandbreite der Themen, die im Rahmen des Projekts behandelt wurden. Eine Gruppe von Studierenden hat während der Sommerschule versucht, diese Themenschwerpunkte in das Spannungsfeld zwischen sichtbar und unsichtbar einerseits sowie zwischen wahrnehmbar und nicht wahrnehmbar andererseits einzuordnen. Außerdem wurde der Frage nachgegangen, ob und warum alles sichtbar und wahrnehmbar sein soll oder ob es gerade nicht auch darum gehen könnte, Unsichtbarkeiten zu wahren. So konnten auf eindrucksvolle Art verschiedene Dimensionen und Abstufungen von (Un-)Sichtbarkeiten dargestellt werden.

Viele aktuelle Herausforderungen von Städten hängen eng mit diesen unsichtbaren Faktoren zusammen, weshalb es wichtig ist, sie zu dechiffrieren und somit besser zu verstehen, wie Städte und städtische Prozesse funktionieren. Zum Teil ist die Produktion von Sichtbarkeiten bzw. Unsichtbarkeiten impliziter Bestandteil von Stadtplanung, teilweise liegt sie jedoch auch außerhalb des direkten Planungseinflusses. Denn was für wen sichtbar ist und was nicht, hängt einerseits von verfügbaren Techniken und Methoden der Sichtbarmachung ab und wird andererseits stark beeinflusst durch ganz unterschiedliche Akteursinteressen. Die Frage, welche Faktoren in Städten eigentlich sichtbar oder unsichtbar sein sollten, welche Gruppen dies beeinflussen und aus welchen Gründen, zog sich durch das gesamte Projekt und wurde daher ebenfalls von Studierenden näher beleuchtet.

(Un-)Sichtbarkeiten in der Stadt – Normative Diskussion

An anhand ausgewählter Themenfelder der (un-)sichtbaren Stadt wurde versucht, normative Aussagen darüber zu treffen, ob und warum diese Aspekte (un-)sichtbar bleiben oder werden sollen.

Zentrale Erkenntnis war dabei auch, dass diese Einordnung explizit den Interessen und Ansprüchen von Studierenden der Stadtplanung folgt. Die Frage, was in unseren Städten (un-)sichtbar bleiben bzw. werden soll, kann kaum allgemeingültig beantwortet werden, denn die Forderungen zur Sichtbarkeit oder Unsichtbarkeit bestimmter Elemente wie bspw. Religion oder Prostitution können je nach Akteursinteresse sehr stark variieren. Diese verschiedenen Akteurslogiken in Bezug auf (Un-)sichtbarkeiten werden exemplarisch am Beispiel des Brennpunkts Straßenprostitution deutlich.

Ansprüche von Planung an (Un-)Sichtbarkeiten – exemplarische Darstellung

Ansprüche verschiedener Akteursgruppen an die (Un-)Sichtbarkeit von Prostitution

Ein Projekt im Rahmen der
Nationalen Stadtentwicklungspolitik
Koordiniert durch